Eine unterhaltsame Reise in die Barockzeit

Die Familie von Brandenstein verlor die Herrschaft  Ranis und Schloss Brandenstein im 16. Jh. an die Familie von Breitenbauch.

Trotzdem pflegten beide Familien Verwandschaftsverhältnisse.

Mitglieder verschiedener Linien derer von Breitenbauch besaßen umfangreichen Grundbesitz und teils prächtige Herrenhäuser in Sachsen und Thüringen.

Andere verarmten oder heirateten unstandesgemäß oder suchten in Amerika ihr Glück. Aus der Familie von Breitenbauch stammten interessante barocke Zeitgenossen die ich unterhaltsamerweise erwähnen möchte.

Beispielsweise:

Hofmarschall, Kammerherr und Hofkapelldirektor Heinrich August von Breitenbauch. Dieser war u.a. für die Dresdner Hofkapelle und das Schauspiel  verantwortlich. Er zog mit seinem erlesenen Geschmack und musikalischen Kenntnissen vortreffliche Kräfte nach Dresden. Vom König, durch seine künstlerischen Fähigkeiten zum "directeur des plaisiers" ernannt, erlebte der sächsische Hof unter seiner Leitung nie dagewesenen Luxus und Galanterie. Durch ihn kamen Musik und Schauspiel am Hof Augusts des Starken zu Glanz und Weltruf.

 

Friedrich August von Brandenstein ist in diesem Zusammenhang als hochgeschätzter Oberküchenmeister am Dresdner Hof und Freund Augusts dem Starken zu nennen.

Er gab 1741 das berühmte Meißner Porzellanservice "Neu- Brandenstein" bei Joachim Kändler in Auftrag.

 

Georg August von Breitenbauch machte sich als Gelehrter, Literat und Geschichtsforscher, Freund Lessings und Gellerts im 18.Jh. einen Namen.

Georgine Wilhelmine von Breitenbauch, legitimierte wohlhabende Tochter des Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth, führte um 1750 einen munteren kleinen "Hofstaat junger Mädchen" mit rauschenden Festen auf Schloss Brandenstein.

Auch Heinrich Ferdinand von Breitenbauch soll Erwähnung finden. Den talentierten Musiker und Maler verband eine tiefe Freundschaft mit Robert Schuhmann.

Dieser widmete seinem Freund "dem alten Hauptmann" einen Aufsatz in der "Neuen Zeitschrift für Musik". 

Er schrieb: "Ich  spielte vor allen Menschen am liebsten für ihn, den alten Hauptmann v.on Breitenbauch, denn es kam mir vor, als würde ich alles von ihm empfangen".

Interessant ist auch, das Deutschlands bekanntester Balladendichter Börris von Münchausen (auf Windischleuba) bei seiner Schwester Mense v. Breitenbauch (geb. v. Münchhausen) im Schloß Brandenstein gern zu Gast war und Lesungen gab.

Nun zu Christoph Adam von Breitenbauch,

im Volk geehrt als „Vater Breitenbauchen“

(geb. 1662 auf Burg Ranis, gest. 1708 auf Schloss Brandenstein)

In fremder Leute Biografie herumzukramen, schickt sich nicht. Aber in diesem Fall nützt es der Wissenschaft. Christoph Adam möge mir meine Recherchen mit Erlaubnis der Familie verzeihen.

Um der landläufigen Meinung vom dekadenten Adel ein wenig zu widersprechen, folgende Lebensgeschichte:
 

Christoph Adam v. Breitenbauch als hochfürstlich-kursächsischer Kriegskommissar, Kammerherr, Rittmeister und Landrat. Sein Epitaph hing ursprünglich im Theatersaal auf Brandenstein und heute im Museum Burg Ranis.

 

 

Im 18. Jahrhundert stand der Landadel in höfischen Zivil- oder Militärdiensten eines Landesherrn. Dieser war oft der größte regionale Arbeitgeber. Der Landrat und coburgsche Kammerherr, Kriegskommissar des kurfürstlich-sächsischen-Neustädter Kreises Christoph Adam von Breitenbauch beschloss 1696, von seiner Burg Ranis nach Brandenstein überzusiedeln und sein geerbtes Schloß im Stil der Zeit wohnlich und repräsentativ herzurichten.
Christoph Adam wurde 1662 auf Burg Ranis geboren und wuchs nach dem frühen Tod seiner Eltern beim Großvater auf.
Er lernte fleißig und sprach schnell Latein, heißt es in den Quellen. Fünfzehnjährig ging er an den herzoglichen Hof zu Gotha und bereiste ein Jahr später mit dem Gothaer Geheimrat von Osterhausen Frankreich.
Die Reise führte ihn auch nach Versailles an den Hof des Sonnenkönigs.
Im Jahr 1683 befand er sich im Gefolge des Herzogs Moritz Wilhelm von Sachsen-Zeitz bei dessen Italienreise unter anderem nach Venedig und Rom. Danach wurde er Kammerjunker in Coburg bei Herzog Albrecht.
Erstmals reiste er 1684 im Auftrag des Herzogs nach Polen.

Weil er im Jahr 1687 bei einem Duell den Wachtmeister Thieme entleibte, wurde von Breitenbauch verhaftet, aber gegen 600 Taler freigelassen, da sich der Herzog für ihn verwendete.


1688 war er den Aufenthalt in seiner Heimat leid geworden, ihn packte die Kriegslust.

Er erwarb als Rittmeister eine Kompanie und zog in zwei Feldzügen mit seinem Herzog gegen Frankreich.
Ein Höhepunkt war die Teilnahme an der Belagerung von Mainz im Jahr 1689. Seine Güter, die er Fremden überlassen hatte, verkamen daher zusehends. Deshalb nahm Christoph Adam von Breitenbauch seinen Abschied aus dem Kriegsdienst und kehrte 1690 nach Brandenstein zurück.


1692 verzichtete er auf seine Güter Burg Ranis, Gröst, Pretzkendorf und Baumerode und zog 1696 auf Schloss Brandenstein. Als im Jahr 1697 sein Bruder Melchior Dahm bei der  Belagerung von Cochem fiel, gingen alle Güter wieder an Christoph Adam zurück.
Von 1698 bis 1705 ließ er das von Heinrich v. Brandenstein um 1490 erbaute Schloß im Stile des Hochbarocks ausmalen, neu stuckieren und das barocke Treppenhaus einbauen. Auf der Veste Coburg heiratete er 1700 Eva von Gräfendorf aus Mechterstädt, eine Kammerjungfer der Herzogin. Sie gebar ihm zwölf Kinder, wovon vier zeitig starben.

Die Kriegskontributionen der Schweden aus dem 30-jährigen Krieg stiegen in dieser Zeit ins Unermessliche. Aufgenommene Schulden lasteten schwer auf seinen Erben.
Von 1695 bis 1706 stritt er mit seiner Tante um das Landerbe. In dieser Zeit machten sich bei ihm gesundheitliche Probleme bemerkbar. So hatte er 1694 seinen ersten Schlaganfall. Asthma und Engbrüstigkeit nahmen zu, das Gehen fiel ihm schwer. Sein prunkvolles Portrait als Kriegskommissar hing im Theatersaal und zeigt ihn noch als energischen beleibten Herren mit Harnisch und Allonge-Perücke. Fettleibigkeit und Bewegungsmangel waren in Wohlstandskreisen die bekanntesten Zeichen der Barockzeit.


Christoph Adam erholte sich jedoch wieder und wurde eine starke Stütze des Landesherren. 1704 war er Mitglied einer Deputation der Landstände und ging vier Monate in Landesangelegenheiten an den Königshof August des Starken nach Warschau. Als Vermittler besuchte er 1706 das schwedische Lager, nachdem diese wieder ins Land eingefallen waren.

Christoph Adam von Breitenbauch kränkelte viele Jahre lang.
Am 3. August 1708 hatte er Gäste bei sich und wollte noch für diese und seine Kinder eine Betstunde abhalten. Plötzlich brach Christoph Adam zusammen und starb mit seinen letzten Worten: „Herr Jesu, hilf mir!“

Im Volk hieß er lange Zeit liebevoll Vater Breitenbauch. Er hatte bestimmt kein leichtes Leben, aber Gottvertrauen und ein großes Herz. Christoph Adam von Breitenbauch war als ausgleichender Rat zwischen allen Parteien, der Familie, den Nöten der Untertanen, seiner zahlreichen Güter und der großen Aufgaben seines Landesherren unterwegs.

 

So schrieb der Raniser Pfarrer 1708 in seiner Leichenrede:

 

„Du liebes Brandenstein, du weißt es am besten, von wie vielen auch entfernten Orten täglich sich Leute, um seines Rats und Hülfe zu pflegen, die dir eingefunden und durch deine Tore gegangen. Vor Zeiten sprach man: Wer fragen will, der frage zu Abel, und so ging es wohl aus, um diese Zeit her hörte man, wenn jemand einen verworrenen Handel hatte, wenn jemand gedrückt und verfolgt wurde, wenn jemand Unrecht litt und hatte keinen Tröster, weil diejenigen, so ihm Unrecht taten, zu mächtig waren, daß er keinen Tröster haben konnte: wer fragen will, der frage zu Brandenstein, geht nur zum Landrat Breitenbauchen.“

Ohne eine starke und liebevolle Frau im Hintergrund, die sich vor allem um ihre gemeinsamen acht verbliebenen Kinder mühte, wäre eine solche Arbeit gar nicht zu bewältigen gewesen. Sie hatte es mit ihrer Liebe nie leicht, denn ihr Mann soll doch oft schwermütig und aufbrausend gewesen sein.  
Die Kunst des Hochbarocks wirkt schwer und steif und so muss man sich auch das Leben am Hofe  eines Fürsten, dem Christoph Adam von Breitenbauch diente, vorstellen: ein ewiger Kampf um die Gunst des Herren. Beispielgebend ist dieser Brief vom 12. August 1700:

 

„Hochwürdigster Durchlauchtigster Herzog
Gnädigster Fürst und Herr
Daß Ew. Hochfürstl. Durchlaucht die Hohe Gnade vor mich haben, und zu dero Land Rat
mich gnädigst deklarieren auch jüngst hin in Naumburg dero Gnädigste Entschliessung
durch einen gnädigsten Befehlig eröffnen lassen wollen dafür sage ich unterthänigst
gehorsamen Dank. Und ob ich wohl mich nicht capabler befinde Ew. Hochfürstl.
Durchlaucht nach dero Gnädigsten Gefallen allenthalben satisfaction zu geben, so
versichere doch Ew. Hochfürstl. Durchlaucht gehorsamst, daß an unterthänigsten Willen,
devotester Treue und treuster Ergebenheit mir niemals was entstehen soll, sondern ich
allezeit mich dergestalt aufzuführen bemühen werde, daß Ew. Hochfürstl. Durchlaucht die uf mich gnädigst gewendete Wahl nicht gereuen dürffe, wie ich denn unausgesetzt verharre."


Euer Hochfürstlichen Durchlaucht untertänigst
gehorsamster Knecht
Christoph Adam von Breitenbauch

 


Der Adel war das Fundament der Nation und schuf ein zum Teil bis heute bestehendes Klüngel-Netz aus Verwandtschaftsbeziehungen und Ämtervergabe. Kriege wurden als Kunst verherrlicht. Im 17.und 18. Jahrhundert standen in Europa Millionen Menschen unter Waffen oder lebten vom Krieg, besonders in der Zeit des französischen Erbfolgekrieges. Der schöne Schein der Barockzeit hatte also auch einen hohen Preis.

Im Bewußtsein über die Urkraft aller Familienbande, achtungsvoll

Holger Kahl