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Keine aristokratischen Blähungen

 

Zur Jahrtausendwende kaufte Familie Kahl das Schloss Brandenstein bei Ranis und sanierte es liebevoll.

Heute ist dessen größter Teil der Öffentlichkeit zugänglich

 

                                                                                           Von Jana Scheiding

Wohnung mit 34 Zimmern und eigenem Theater:

Wenn "Bares für Rares"-Händler Fabian Kahl seine Eltern in Ranis besucht

Ranis: ... 

Fabian Kahl, bekannt aus der ZDF-Fernsehsendung Sendung "Bares für Rares", hat seinen Lebensmittelpunkt in Leipzig, wenn er nicht gerade zu Dreharbeiten unterwegs ist. Doch ab und an kehrt er heim ins thüringische Ranis, wo seine Eltern ein Schloss vor dem Verfall gerettet haben.

Der Arbeitstag verspricht spannend zu werden. Ein wenig aristokratisch sogar. Ich bin mit den Schlossherren von Brandenstein bei Ranis verabredet, erhalte eine Privatführung durch das barocke Gemäuer. Ob ich, wie in „Downton Abbey“, von einem livrierten Diener empfangen werde? Im Moment verwehren mir allerdings Straßensperrungen und Umleitungen den Weg zum Anwesen, als wolle es sich vor mir verstecken. 

Plötzlich lichtet sich die Natur und ich erblicke das karminrote Schloss – stolz auf einem Felsen thronend. Minuten später parke ich mein Auto in der Einfahrt. In der großen Halle empfängt mich eine Frau – im Blaumann. Sie kümmert sich im Haus um die Pflanzen und bringt mich in die erste Etage, wo die Familie schon auf mich wartet: Schlossherr Holger Kahl, Ehefrau Kerstin und die Söhne Fabian und Tobias. Es gibt Cappuccino, eine Kerze brennt auf dem Couchtisch, der Kamin verstrahlt wohlige Wärme. Das Zimmer ist hell und freundlich – wie die Menschen, die es bewohnen. Was sie bewogen hat, ein Schloss zu kaufen? „Erstens die Lage, zweitens die Lage, drittens die Lage“, antwortet Holger Kahl und deutet auf die Fensterfront, hinter der der Blick förmlich ins Tal fällt. Die Aussicht ist tatsächlich atemberaubend. „Heimatgefühl, Verantwortung, Achtung vor den Vorfahren, Liebe zu Denkmälern – das sind für uns Gründe, um solch eine Herausforderung anzunehmen“, fährt Kahl fort.

Brandenstein war eine Ruine, die die Stadt Ranis aufgegeben hatte

Ein Blick zurück: 1989 ist Brandenstein eine verfallene Ruine, von der Stadt Ranis längst aufgegeben. Es war Adelssitz, Besatzungskommandantur, Parteischule und Jugendherberge, danach sollte es einen einsamen Tod sterben. Doch im Jahr 2000 besichtigen der Antiquitätenhändler Holger Kahl und seine Frau das Schloss und beschließen, diese Herausforderung anzunehmen. Sie wissen, dass sie diese Aufgabe meistern werden. 2005 ist das Haus bewohnbar. 

„Ein Schloss zu bewohnen, ist ein Lebensgefühl“, schwärmt Kerstin Kahl. „Es geht nicht nur darum, solche Gebäude zu erhalten, sondern eine solche Wohnantiquität wiederzubeleben.“ Mittlerweile gehören ein veganes Café und eine Kunstgalerie zum Schloss. Das hauseigene Theater aus der Zeit um 1700 – nach dem Ekhoftheater in Gotha das zweitälteste Privattheater Deutschlands – wollen Studenten der Musikschule Hannover 2018 mit einer Telemann-Oper neu bespielen. 

Wie viele Dienstboten hier putzen, will ich wissen. Herzliches Gelächter am anderen Ende des Tischs. „Wer einen Putzfimmel hat, sollte sich ein Schloss kaufen – als Therapie“, empfiehlt Holger Kahl. 34 Zimmer und zwei Bäder hat das Haus, die Familie bewohnt davon nur einen kleinen Teil. Allein die Heizkosten wären nicht zu stemmen. „Das Schloss ist Passion und erholsame Insel zugleich“, erzählt Kerstin Kahl. „Wir sehen Schönheit in der Einfachheit. Das Schloss haben wir nicht gekauft, um zu protzen, sondern weil wir denken, dass das Umfeld den Menschen prägt.“ Einst feierten sie barocke Feste auf dem Schloss, doch diese Zeiten sind vorbei. „Wir haben keine aristokratischen Blähungen. Wir sind gern kontrolliert verrückt“, sagt Holger Kahl und lacht. Die Familie will sich nicht verbiegen lassen, nur um mit dem Schloss Geld zu machen. „Solch ein Haus ist nichts für Spekulanten – es lebt durch Liebe und Leidenschaft, die manchmal auch Leiden schafft.“ 

Die Waffensammlung verschwand, als man das Bernsteinzimmer suchte

„Einst gab es im Schloss eine Waffensammlung, die in der DDR-Zeit verschwand. Man fand sie zufällig, als man hier nach dem Bernsteinzimmer suchte“, erzählt der Hausherr, als er mich durch das geschichtsträchtige Haus führt. Und, dass er mit 12 Jahren der jüngste Numismatiker im Kulturbund der DDR gewesen sei. „Ich verkaufte die Früchte aus meinem Garten an den Konsum und sparte das Geld für die Münzsammlung.“ Mit der Zeit eignete er sich umfangreiches Wissen in Geschichte und Architektur an und gab dieses an Sohn Fabian weiter. „Den Wert alter Dinge einzuschätzen, kann man nicht lernen, das ist ein Gefühl. Ich bin da hineingewachsen. Urlaub bedeutete für uns, drei Wochen Schlösser und Burgen besichtigen und einen Tag Strand“, erinnert sich der 25-Jährige. Er ist einer der jüngsten Antiquitätenhändler Deutschlands und genießt aufgrund seiner Mitwirkung in der ZDF-Fernsehsendung „Bares für Rares“ Promistatus. Mit seinem exotischen Aussehen hatte er das Castingteam auf dem Trödelmarkt in Leipzig auf sich aufmerksam gemacht, jetzt verbringt er etwa die Hälfte des Jahres mit Dreharbeiten für die beliebte Sendung. 

Die Sendung sei sein Podium, erklärt Fabian. „Viele Leute rufen mich an, fragen um Rat.“ Der junge Mann weckt Vertrauen. Vielleicht auch deshalb, weil er der einzige Ossi am Händlertisch ist. „Ich kann empfehlen, die Wohnung mit Antiquitäten einzurichten. Das ist preiswerter als man denkt und wenn man gut eingekauft hat, wird man die Sachen auch wieder los“, sagt Fabian, der weiß, dass Möbel zurzeit sehr preiswert sind. Hoch im Kurs stehen Gemälde, Münzen oder Porzellan. 

 

Kunsthandel rettet Kunstschätze


Mit seinem Vater unternimmt der charismatische junge Mann Einkaufs­touren in Haushalten, um Schätze zu heben. „Mit dem Kunsthandel retten wir oft Kunstschätze“, erklärt Holger Kahl. „Viele Menschen werfen wertvolle Dinge einfach weg, weil sie keinen Platz dafür haben oder deren Wert nicht kennen.“ Die Sendung „Bares für Rares“ habe zum Umdenken angeregt, glaubt Fabian. Wie oft dem Second-Hand-Fan Missgriffe passieren, frage ich. „Es kommt vor. Man braucht viel Erfahrung, Konzentration und vor allem Licht. In Drehpausen lasse ich mir bei unserem sonntäglichen Raritätenschätz- und -ankauftag im Schloss gern über die Schulter schauen.“ 

Beliebt ist Fabian Kahl vermutlich nicht nur seines Fachwissens wegen, sondern auch wegen seiner Bescheidenheit: „Im Fernsehen bin ich kein Selbstdarsteller, sondern ein Antiquitätenhändler, der gefilmt wird.“ 


Zur Sache:
Jeden Sonntag, 10 bis 15 und 16 bis 17 Uhr, ist Raritäten-, Schätz- und Ankauftag.

Schlossführung erfolgt in der Zeit von 15 bis 16 Uhr.
Das vegane Café „Catta­rius“ ist sonn- und feiertags 11 bis 18 Uhr geöffnet. 



Jana Scheidung / 22. 05. 17 / meinAnzeiger.de

 

Indische Hochzeit auf Schloss Brandenstein


Brandenstein. "Ich habe mich in diesem Leben unter anderem dazu entschlossen, Verantwortung für ein schönes Stück Erde zu übernehmen. Gott sei Dank steht mir meine starke Frau Kerstin zur Seite", erklärt Holger Kahl. "Wir öffnen gern unser Haus friedlichen Menschen aller Konfessionen zum gegenseitigen Vorteil, denn auch die materielle Ebene will bedient sein." Er selbst lebe religiös, aber konfessionslos, so Holger Kahl. "Gott ist für mich nicht der einzig wahre Fürchtegott, sondern die absolute Wahrheit und Liebe. Als Antiquitätenhändler bin ich ständig auf der Suche nach Schönheit, dabei gebe ich Gott täglich andere Namen wie in der Unendlichen Geschichte. Ich spüre ihn in jedem schönen Augenblick, besonders hier auf Brandenstein. Er vereint alle Lebewesen in Harmonie und schenkt den Menschen ihren freien Willen in Eigenverantwortung. Was für eine Chance für den Frieden!" 

Das Schloss biete ideale Voraussetzungen für Feierlichkeiten in privater Atmosphäre. Übernachtungen sind beim Verein Papilio in Ludwigshof und in der unmittelbaren Umgebung möglich.

"Geprägt von einer sehr reinen Atmosphäre mit herzlichen Menschen, umgeben von wunderschöner Natur und dem Himmel so nah, war es uns schnell klar: Dies ist der perfekte Ort für unsere vedische Hochzeit", beschreiben Nadine und Hendrik Förster aus Leipzig ihre Beweggründe, sich auf Schloss Brandenstein zu trauen. Seit einigen Jahren studieren und leben sie die indische Kultur. Nun ließen sie sich nach der Jahrtausende alten indischen Heiratstradition vermählen. Zur Zeremonie gehörten ein vedischer Priester, ein Feuerritual, begleitet von vedischen Mantra (formelhafte Wortfolge), das gegenseitige Umhängen von Blumengirlanden und das Umgehen des Feuers. Das Festessen war ayurvedisch. Interessantes von Schloss Brandenstein hatte das Paar auf einer Veranstaltung in Leipzig gehört.

Mit einer 80 Personen großen Gesellschaft hatten zuvor Nadine und Markus Müller aus Krölpa als erstes Paar ihre Hochzeit im Sonnensaal des Schlosses gefeiert. "Es ist eine beeindruckende Location, die in alle Himmelsrichtungen einen herrlichen Ausblick bietet", lobten sie.

Sandra Hoffmann / 04.06.10 / OTZ