Schloßgeschichte

Seit der brutalen Zwangschristianisierung und Vernichtung der keltisch-germanischen Kultur durch Karl den "Großen" (Sachsenschlächter) im Auftrag Roms, wird ein verzerrtes Geschichtsbild über die Abstammung alter Ortsnamen vermittelt.

Mit der Inquisition und dem Holocaust an zwei dritteln der deutschen Bevölkerung im

30-jährigen Krieg ging das alte Wissen fast vollständig verloren. Die früheste Geschichte der Burg Brandenstein zu rekonstruieren ist daher sehr schwierig und basiert auf mehr oder weniger gesicherten Aussagen verschiedener Geschichtsforscher.
2002 erbrachten archäologische Ausgrabungen im Schloßkeller Scherbenfunde aus der Zeit um 600 v. Chr.

Die fruchtbare Orlasenke und die oberflächlich anstehenden Kupfererze im nahen Freudental förderten wohl eine frühe keltische Besiedlung.

Der Name Branden-stein könnte von einer keltisch- oder germanischen Gerichtsstätte auf dem späteren Schloßberg stammen. Am Fuße des Schlossberges gab es die Flurbezeichnung "Heidenhof" und unweit davon das gesprengte "Herdloch", eine Halbhöle mit Opferstein.

Ein Wartturm der Herren von Lobdeburg-Arnshaugk, als deren westliche Grenzsicherung war wohl die erste wehrhafte Bebauung auf dem Schloßberg.

Die Grafen von Schwarzburg sollen im 12./13. Jahrhundert eine feste Burganlage erbaut haben. Davon sind westliche und nördliche Schildmauer erhalten und lassen auf die Größe der Kernburg schließen. Die Nordwand endet mit einer runden Eckausbildung. Typisch für Bauten der Schwarzburger (siehe Vorburg Ranis, Burgruine Ehren- und Liebenstein) In dieser Bauart könnte Burg Brandenstein, auf einem Felssporn sitzend, anfangs ausgesehen haben.

Der Adel benannte sich urspünglich oft nach Ortsnamen. Als schwarzburgisches Lehen wurde die Burg Stammsitz der Herren von Brandenstein.

1125 wird ungesichert ein Moritz von Brandenstein genannt. 

 

Schloss Brandenstein in Thüringen
Schloss Brandenstein in Thüringen
Schloss Brandenstein in Thüringen
Schloss Brandenstein in Thüringen
Schloss Brandenstein in Thüringen
Schloss Brandenstein in Thüringen
Schloss Brandenstein in Thüringen
Schloss Brandenstein in Thüringen
Schloss Brandenstein in Thüringen
Schloss Brandenstein in Thüringen

1298 wurde Burg Brandenstein erstmals urkundlich erwähnt.

Im 14. Jahrhundert verkauften die Schwarzburger Grafen ihren hiesigen Besitz an die Wettiner.
1351 ließ der wettinische Landvogt Heinrich von Brandenstein die Burg zum landesherrlichen Schloß ausbauen und wurde vom Markgraf Friedrich (der Strenge) von Meißen damit belehnt.

1446 belehnt Herzog Wilhelm III. von Sachsen (der Tapfere) einen weiteren Heinrich von Brandenstein mit Schloß und Gerichtsbarkeit.


1455 einzig bekannte Beschreibung der alten Burg Brandenstein: (in F. Dedie: „Die Herren von Oppurg") mit Vorburg, hohem Turm, Gefängnis, Wohnbau, Torhaus, Zugbrücke, Wehrgängen, Zwinger, Pferdestall, Gehölzen, Kriegsgerät und Weinbergen um Jena.

 

1456 wird Heinrich von Brandenstein von Kaiser Friedrich III. in den Reichsfreiherrenstand erhoben.

1463 heiratete Herzog Wilhelm III. von Sachsen (der Tapfere) unstandesgemäß die für ihre Schönheit und Klugheit bekannte Katharina von Brandenstein, mit der er, nach den Drangsalen des sächsischen Bruderkrieges, seine große Liebe fand.

Katharina wurde Herzogin von Sachsen, Markgräfin von Meißen und Landgräfin von Thüringen.

1465 schenkte der Herzog seinem Schwager Heinrich, die Herrschaft Ranis mit Burg und Stadt Ranis, vielen Dörfern und umfangreichem Grundbesitz. 

Die Brandensteiner wurden dadurch reichsunmittelbare Freiherren und gehörten kurze Zeit zum mitteldeutschen Hochadel.

1482 nach dem Pesttod Herzog Wilhelms verzichtete seine Witwe Katharina v. Brandenstein als letzte unabhängige Landgräfin von Thüringen, gegen eine jährliche Abfindung, auf ihr wettinisches Erbe. Sie bedingte dadurch den Heimfall der Landgrafschaft Thüringen an ihre Neffen, den zu Altenburg geraubten Prinzen Ernst und Albrecht von Sachsen, die ihr Erbe 1485 in Leipzig folgenschwer in die albertinische und ernestinische Linie teilten.

Um 1490 Teilabriß der alten Burganlage und Neubau von Schloß Brandenstein auf alten Resten der Burg. Die kinderreichen Brandensteiner erbauten sich ein damals hoch modernes repräsentatives Mehrfamilienhaus. Erstmals nördlich der Alpen, wurde dem massigen Baukörper ein Mittelrisalit vorgelagert. Der Bau steht bis heute in seiner Grundstruktur unverändert.

Die Rundfensteranordnung aus dem späten 15. Jh ist in Thüringen einmalig. 


1506 Erwähnung der Burgkapelle St. Barbara und Bergbaurechten.


1506 erbte Ewald v. Brandenstein das Schloß Brandenstein mit Burg und Herrschaft Ranis.

Er wurde vom sächsischen Kurfürsten (Friedrich der Weise) als Sekrestrator für Kirchen und Klöster eingesetzt und beauftragt, gemeinsam mit Martin Luther und Anton Musa die Reformation durchzusetzen.

1571 ging der Familie von Brandenstein nach Erbteilung, Mißwirtschaft und Spielschulden Burg und die Herrschaft Ranis an den Ritter Melchior von Breitenbauch verloren.

1584 wurde auch ihr Stammsitz Schloß Brandenstein für 16.000 Taler an Melchior v. Breitenbauch verkauft. Auch der Reichsfreiherrentitel wurde abgelegt.

Bis 1612 Streit um einen hohen Burgturm auf Brandenstein.

1634 Belagerung des Schlosses durch Kroaten und 1640 durch die Schweden, die ihre Armeen für das große Saalfelder Lager regional "versorgten".

1640 berichtet der Schloßherr, ein Melchior v. Breitenbauch, nach seiner schwedischen Gefangenschaft, daß der ganze Bezirk auf das äußerste ruiniert sei und alle adligen Schlösser geplündert und verwüstet wurden. Die Dorfschaften seien zum Teil ausgestorben und die Leute schwer mißhandelt.

Nach dem 30 jährigen Krieg wurde das Schloß 60 Jahre lang das "wüste Haus Brandenstein" genannt.

1698-1703 ließ der fürstlich-sächsische Kammerherr, Landrat und Kriegskommissar, Christoph Adam von Breitenbauch, das Schloß wieder wohnlich herrichten, im hochbarocken Stil stuckieren, ausmalen und ein Theater einbauen.

Auch veranlaßte er den Abriß seiner Burg "zum Stein" auf dem Kochsberg bei Pößneck, um das Material für die Wiederherstellung der zerstörten Vorburg in Brandenstein zu verwenden.

 

1730 heiratete Georgine Wilhelmine, eine wohlhabende legitimierte Tochter des Markgrafen Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth, auf Schloß Brandenstein  Zdislaus von 

Breitenbauch.

Bis 1756 führte sie hier ein lebhaftes und geselliges Haus in dem mit einem "Hofstaat" junger Mädchen viele Feste gefeiert wurden.

Mehr auf unserer Seite: "Unterhaltsame Reise in die Barockzeit".

!806 wurde vor der Schlacht bei Jena und Auerstädt das Schloß von Franzosen geplündert.

 

1856 zu große Erbansprüche verursachten den Verkauf des Schloßes an Friedrich Schillers Verwandschaft, die Familie von Gleichen-Rußwurm.

1885 Rückkauf des Schloßes für 206.000 RM durch die Familie von Breitenbauch.

Um 1900 teilweiser Neubau des Gutshofes auf alten Burgmauern.

 

1906 Namensumbenennung von Breitenbauch in Breitenbuch.

1914 blieb der letzte männliche Besitzer im Krieg. Dessen Witwe Mense v. Breitenbuch versuchte, mutig und allein mit 3 Kindern, den einsetztenden Verfall des Schlosses durch bauliche Investitionen, aufzuhalten. 

Durch Renovierung und Modernisierung entstanden schon damals Verluste an der barocken Raumkunst. Verschiedene Pächter auf dem Rittergut Brandenstein.
 

1945 Einzug schießwütiger Amerikaner, die nach erfolgter Sachbeschädigung und Plünderung von Waffen, Silber und Wertgegenständen das Schloß im Chaos hinterließen.

Danach Einzug einer Reiterkompanie aus Kirgisen und Tataren und vielen ehemaligen russ. Zwangsarbeitern mit lobenswerter Disziplin, laut Aussage Asta von Breitenbuchs.

 

1945 sowjetische Kommandatur.

Ausweisung der Familie und aller Bewohner, Enteignung des Gutes, Zersplitterung des Grundbesitzes.

1948 stand Brandenstein als Teilabriß auf der Abbruchliste der Landeskommission zur Durchführung der Bodenreform (Akte Bodenreform vom 7.4. 1948 nach SMAD Befehl 209)

abgerissen wurde nur 1 Scheune und das hübsche Torhaus. 
 

Bis 1955 Lehrlings- und Arbeiterwohnheim der Maxhütte und verschiedener Betriebe, sowie SED-Parteischule mit dem Namen der Antifaschistin „Leni Fleischer“.

Die Umnutzung garantierte trotz allem Ungeist den Erhalt des Schlosses.

1955- 1988 GST-Lager und sehr beliebte Leitjugendherberge des Bezirkes Gera mit dem Namen eines Bauernheerführers "Jost Schmidt".

Ca. 160 Übernachtungen täglich.

In den 70-iger Jahren Auftritte von DDR-Bands wie City und Karat auf der kleinen Theaterbühne, die für Kulturveranstaltungen gebraucht wurde und erhalten blieb.

 

1970 große Verluste an Raumkunst. Abriß des schönen barocken Eichetreppenhauses und barocker Stuckdecken. Zerstörung des Wappensteins, sowie Raumverstümmelung zur Herbergsnutzung durch einen Herbergsleiter mit "Gestaltungsideen" Walter Ulbrichts.

1990 nach Aussage von Siegfried Zeh, dem Leiter der Kreisdienststelle des Ministerium für Staatssicherheit, vom 28.2. 1990, sollten Schloß Brandenstein und Burg Ranis als Internierungslager für Staatsfeinde, Kirchgänger und Nichtwähler umgenutzt werden.


1989 bis 2000 Leerstand und Verfall der gesamten Anlage.

2000 kauft der Thüringer Kunst-und Antiquitätenhändler Holger Kahl das ruinierte Anwesen.

Sofortige Sicherungsmaßnahmen und Dacharbeiten, am erst 1996 reparierten Schloßdach.

Beseitigung von Silos und Schutthalden. Baumfäll- und Beräumungsarbeiten im Schlossumfeld durch ABM.

Beginn der umfangreichen Restaurierungen des Objektes ohne Fördermittel.

Abriß der verfallenen Wohn- und Stallgebäude der Vorburg und Schäferei zur Gestaltung eines neuen Schloßgartens.

2005 Der Verkauf des Denkmalhofes Oberoppurg und große Eigenleistungen ermöglichten viele Arbeiten am Schloß. Vielen Dank an alle Mitwirkenden.

Das Schloß beinhaltet heute den Wohnsitz der Familie Kahl, ein Cafe, eine Kunstgalerie und den Sitz der Schloss Brandenstein Gmbh. 

Quellenangaben: 

Friedrich Dedie "Die Herren von Oppurg"

Bernd Wiefel "Sozialgeschichte der Herrschaft Ranis"

Wolf v. Brandenstein,  Familienchronik

Fam. v. Breitenbuch, Familienchronik:  "Rote Sparren auf blauem Grund" 

Holger Kahl:  Recherche zur Schloßgeschichte nach 1945

 

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März 2016 © Schloß Brandenstein / Holger Kahl

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